Die Idee ist verlockend: Ein paar Swipes und schon ist man schlauer.Infos, die in einfacherer Sprache verfasst und anschaulichem Layout verpackt sind – die Rede ist von sogenannten Infoposts auf Instagram. Warum diese nicht ganz ungefährlich sind, hat unsere Redakteurin Dijana zusammengetragen.

Foto: Denis Pavlovic

Wir kennen sie alle, klicken uns manchmal durch, erfreuen uns am Design, reposten und swipen auch mal durch, ohne zu alles zu lesen. Die Rede ist von sogenannten Infoposts auf Social Media. Wir als Redaktion von something to say haben selbst bereits zwei Infoposts veröffentlicht, mit bestem Wissen an ihnen gearbeitet und stehen hinter der Veröffentlichung dieser. Wir sind uns aber auch bewusst: In bis zu zehn Slides kann ein komplexes politisches Thema bzw. eine kontroverse Debatte niemals in Gänze dargestellt werden. Aber das ist vielleicht auch gar nicht der Anspruch von Infoposts.

Sie haben vor allem zum Ziel, über (noch unbekannte) Themen aufzuklären, mehr Reichweite und Sensibilisierung für ein Anliegen zu schaffen. Außerdem: Nicht alle haben den gleichen Zugang zu Bildung und das gleiche Sprachniveau, weswegen es nicht verkehrt ist, wenn in diesen Posts ein Thema verständlich aufbereitet wird. Denn Studien zeigen: Rund 98 Prozent der 14- bis 29 Jährigen ist in den Sozialen Netzwerken, wie eine repräsentative Umfrage von Bitkom zeigt. Und diese Menschen haben keineswegs den gleichen Bildungshintergrund, geschweige denn die gleichen Interessen. Dennoch hat der Algorithmus sicher jeder Person einmal einen Post vorgeschlagen, der über ein Thema aufzuklären versucht.

Was macht jetzt einen guten Infopost aus? Es gibt auf Instagram viele intelligente Menschen, die auf Probleme und Missstände aufmerksam machen. Beispiele für gelungende Infoposts findet man zum Beispiel bei @die_millenial auf Instagram, die vor allem über queere, feministische und gesellschaftspolitische Themen aufklären.

 

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Ein Beitrag geteilt von Sophia Sailer (she/her) (@die_millennial)

 

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Aber das Problem ist: Niemand ist auf Social Media journalistischen Standards,wie beispielsweise der wahrheitsgemäßer Berichterstattung verpflichtet und kann daher nahezu alles veröffentlichen. Es gibt natürlich Redaktionen und Medienhäuser, die ein Social-Media-Team haben, das in den meisten Fällen journalistisch ausgebildet ist (oder sich in der Ausbildung befindet) und somit einen journalistischen Standard gewährleisten kann. Aber bei Accounts, hinter denen weder  ein:e Expert:in, noch eine Redaktion steht, kann jede:r machen, was mensch will. Und das heißt eben auch – ob gewollt oder ungewollt – jede:r kann Falschinformationen verbreiten oder nur die halbe Wahrheit abbilden.

Der sogenannte Nahost-Konflikt ist wieder in den Medien, und das heißt: auch auf Instagram. Es ist utopisch, einen so komplizierten politischen Konflikt in einem Post auf den sozialen Netzwerken zu erklären. Dennoch gibt es viele Likes und Shares für die Posts, die das Geschehen in Israel und Palästina aufgreifen und einordnen wollen.

Die Richtlinien von Facebook sehen vor, dass Beiträge, die Fake News enthalten, also gezielt Desinformation verbreiten, von der Plattform entfernt werden. Durch die Corona-Pandemie gab es nochmal einen neuen Schwung von Fake News, die über die Plattform verbreitet wurden und somit Nutzende verunsicherten. Instagram reagierte damit folgendermaßen: Immer, wenn der Hashtag oder der Begriff “Corona”, “Coronavirus” oder “Covid-19” aufkommt, wird die WHO mit aktuellen Infos zum Virus verlinkt oder eben das Bundesgesundheitsministerium, das Informationen zur Lage bereithält. Somit versucht Instagram möglichen Fake News direkt entgegenzuwirken, bevor sie gesperrt werden und auch sonst, auf wissenschaftliche und glaubwürdige Quellen zu verweisen, die die Plattform von sich aus nicht garantieren kann.

Das Faktencheck-Correctiv hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Falschinformationen mit fundierter Recherche entgegenzuwirken. Das st aber nur eine Alternative und kann keineswegs der Menge an Falschinformationen, die durch den Algorithmus von Instagram in unsere Timeline gespült werden, standhalten.

Das Fazit also: Infoposts sind mit Vorsicht zu genießen und eine anschließende Recherche ist auch nicht verkehrt und sogar angebracht. Infoposts können niemals politische und gesellschaftliche Bildung ersetzen, aber sie können Anreiz sein, sich mit einem Thema näher (oder überhaupt) zu beschäftigen.